Wollseifen - einst ein blühendes Eifeldorf mit malerischen Fachwerkhäusern und Blick auf die Urfttalsperre. Der Ort dessen Ursprung bis ins 12. Jahrhundert zurückgeht, wurde nach dem Ende des 2. Weltkriegs, am 1. September 1946 auf Befehl der britischen Militärverwaltung zwangsgeräumt und fiel einem Übungsplatz für militärische Zwecke zum Opfer. Über 500 Bewohner wurden damals aus ihrem Heimatdorf vertrieben und waren obdachlos...

"Die Trümmer schweigen nicht". Unter diesem Titel publizierte der Wollseifener Josef Lorbach im Jahr 1981 die Geschichte Wollseifens. Als 37-jähriger erlebte er das bittere Ende seines Heimatdorfes und schildert die Tragödie der Ereignisse aus dieser Zeit in allen Einzelheiten.

Winterbilder aus dem ehemaligen Wollseifen in der Eifel


Die Bewohner von Wollseifen wurden im August des Jahres 1946 auf Befehl der damaligen britischen Militärregierung aufgefordert ihr Dorf binnen drei Wochen, bis zum 1. September 1946 zu räumen. Unterkünfte für den weiteren Verbleib der Wollseifener Bevölkerung wurde von den britischen Militärs allerdings nicht angeboten. So wurden alle Wollseifener, nachdem sie die Ruinen ihrer Häuser nach dem 2. Weltkrieg wieder hergerichtet hatten, aus ihrem Heimatdorf vertrieben.

Wollseifen wurde von der britischen Militärverwaltung nicht evakuiert - sondern kurzerhand beschlagnahmt und zwangsgeräumt!

So wurden damals kurz nach Kriegsende die noch Überlebenden des Dorfes, etwa 120 Familien (über 500 Einwohner) obdachlos. Ihr Heimatdorf, das über viele hundert Jahre gewachsen war wurde vom britischen Militär zerstört, die Häuser in Brand geschossen und letztendlich dem Erdboden gleich gemacht.

Erst viele Jahre später, im Juni 1955 stand dann endgültig fest, dass der Truppenübungsplatz als Dauereinrichtung zu sehen ist und eine Rückkehr der Wollseifener in ihre Heimat nie mehr möglich sein wird.

Die Bundesvermögensverwaltung “übernahm” im Jahr 1963 das Grundvermögen der vertriebenen Wollseifener per Enteignungsbeschluß bzw. durch ein sogenanntes "Enteignungsverfahren". Reparationszahlungen für die entstandenen Schäden an Häusern und Einrichtungen der Wollseifener wurden 1975 vom Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages - mangels Lobbyisten... - endgültig zurückgewiesen.


Heute liegt die sogenannte "Wüstung Wollseifen" auf der Dreiborner Hochfläche mitten im Nationalpark Eifel und ist seit 2006 für Wanderer und Besucher wieder zugänglich. Zu erreichen ist Wollseifen nur zu Fuß, mit dem Fahrrad oder im Sommerhalbjahr an Wochenenden auch mit der Pferdekutsche, die in Vogelsang startet.

Zu sehen sind noch einige historische Gebäude; wie die Kirche St. Rochus - ein Ort der Stille, ein Teil der restaurierten ehemaligen Dorfschule in der die Wollseifen-Ausstellung präsent ist, Reste des Transformatorenhäuschens, der restaurierte Bilderstock am Ortseingang, sowie ein Teilgebäude der ehemaligen Dorfschmiede.

Die Wollseifen-Ausstellung in der restaurierten Dorfschule zeigt Bilder aus der Geschichte des ehemaligen Eifelorts.


Seit August 2011 steht vor der Kirchenruine St Rochus ein Modell des Dorfes. Der Architekt Elmar Heimbach schuf diese Ansicht von Wollseifen nach einer Luftaufnahme aus dem Jahr 1943.

 

Ein ähnliches Bild präsentierte sich wohl den amerikanischen Jagdbomberpiloten der 9. Bombardment-Division aus Richtung Heimbach kommend beim Anflug auf Wollseifen am Freitag, den 15. Dezember 1944.

Einen Tag vor dem Beginn der Ardennenoffensive legten sie gegen 12 Uhr mittags einen grauenvollen Bombenteppich über den Ort.

Zurück blieben damals Trümmer über Trümmer, 35 tote Wollseifener und viele tote Soldaten...