Das Archiv der Stadt Schleiden ist im Besitz mehrerer Personenstandsbücher von Wollseifen. Diese enthalten originale Geburts-, Heirats- und Sterbeurkunden von ehemaligen Wollseifener Bürgern.
Mit Unterstützung der Bürgerstiftung Schleiden konnte das Projekt „Restaurierung des Standesamtsbuches Wollseifen“ im Jahr 2017 realisiert werden.
Das älteste Zivilstandsregister aus Wollseifen (1798-1812)
Heute erinnern nur noch wenige schriftliche Quellen, etwa die im Landesarchiv NRW – Abteilung Rheinland in Duisburg überlieferten Kirchenbücher der Pfarre St. Rochus oder einige im Stadtarchiv Schleiden erhaltene Akten zu den Aktivitäten der ehemaligen Bewohner in den 1950er- und 1960er-Jahren, an das ehemalige Dorf Wollseifen. Eine historisch besonders wertvolle Quelle zur Einwohnerschaft Wollseifens an der Wende zum 19. Jahrhundert ist das älteste Zivilstandsregister des Ortes, das sich heute im Stadtarchiv Schleiden befindet. Es dokumentiert den Personenstand (französisch: état civil; deutsch: Zivilstand) der Bewohner Wollseifens nach dem Ende des Alten Reiches in den ersten Jahren der französischen Herrschaft (1798-1812).
Zivilstandsregister waren die unter französischer Herrschaft eingeführten Vorläufer der in Preußen ab 1874, im Deutschen Reich ab 1876 flächendeckend geführten staatlichen Personenstandsregister. Die Zivilstandsregister beurkundeten rechtsverbindlich die sich aus den Merkmalen des Familienrechts ergebende Stellung einer Person (Geburt, Eheschließung, Tod) und lösten damit die älteren Kirchenbücher durch eine staatliche Registerführung ab.
Nachdem die französische Nationalversammlung am 20. September 1792 ein Gesetz erlassen hatte, welches die rechtskräftige Beurkundung des Zivilstands aller französischen Bürgerinnen und Bürger durch den Staat regelte, wurden die Zivilstandsgesetze in den eroberten deutschen Gebieten erstmals am 17. Juni 1796 in den Départements Ourthe und Meuse-Inférieure bekannt gemacht; die übrigen linksrheinischen Gebiete folgten im Jahr 1798.
Die Übertragung der Zivilstandsgesetze auf das Département de ľ Ourthe ist die Grundlage für die Anlage der ältesten Wollseifener Zivilstandsregister, die im September 1798 einsetzen und bis 1812 vom Bürgermeister der Mairie (Bürgermeisterei) Wollseifen in französischer Sprache geführt wurden. Die Zivilstandsregister bestehen dabei aus Geburts-, Heirats- und Sterberegistern.
Während die Zivilstandsregister nach dem Ende der napoleonischen Herrschaft in vielen Gebieten wieder abgeschafft wurden, blieben sie in der preußischen Rheinprovinz auch nach dem Wiener Kongress erhalten. Erst 1874 wurden sie in Preußen mit dem Erlass der Personenstandsgesetze und der Gründung von Standesämtern durch die Personenstandsregister abgelöst.
Restaurierung im LVR-AFZ
Der Erhaltungszustand des mehr als 200 Jahre alten Registerbandes im Stadtarchiv Schleiden lässt allerdings zu wünschen übrig. Der Einband ist nicht mehr vorhanden, so dass die ursprüngliche Ordnung der insgesamt 279 erhaltenen losen Seiten im Lauf der Zeit zerstört wurde. Ein früherer Wasserschaden hatte schließlich zu Schimmelbefall und infolgedessen bereits zum teilweisen Abbau des Papiers geführt. Deshalb waren die losen Seiten bereits 2014 bei einem Dienstleister vakuumiert und trockengereinigt worden.
Um die vorhandene Buchsubstanz zu sichern und weiteren Schäden vorzubeugen, wurde das Zivilstandsregister 2017 von der Werkstatt für Papierrestaurierung im LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrum (LVR-AFZ) sorgfältig restauriert. Dabei wurden die Seiten feucht gereinigt und zu Doppelblättern angefasert, um die einzelnen Lagen wiederherstellen zu können. Zur Stabilisierung wurde jedes Blatt auf der Rückseite mit einem sehr dünnen Japanpapier ganzflächig hinterlegt.
Da der Originaleinband fehlte, wurden acht reversible Konservierungseinbände für die einzelnen Jahrgänge angefertigt. Diese werden nun in einem Archivkarton geschützt aufbewahrt. Vor dem Einbinden wurden die durcheinander geratenen losen Seiten durch einen wissenschaftlichen Referenten der Archivberatung in die korrekte chronologische und sachliche Reihenfolge gebracht, so dass die Register nun wieder in ihrer ursprünglichen Form genutzt werden können. Bei den Ordnungsarbeiten stellte sich heraus, dass nicht alle Zivilstandsregistereinträge auf Wollseifen Bezug nehmen, sondern dass das Konvolut in geringem Umfang auch Geburts-, Heirats- und Sterberegister von Dreiborn (1798-1800) enthielt. Im Zuge der Restaurierung wurden die Dreiborner Zivilstandsregistereinträge in einem eigenen Band zusammengefasst. Die Gesamtkosten für die Restaurierung im Umfang von 5.000 € wurden von der Bürgerstiftung Schleiden getragen.